
Wednesday Feb 04, 2026
Stefan Sünwoldt
Johannes Clasen im Gespräch mit dem ehemaligen Verwaltungsjuristen, Rechtsanwalt und Bürgermeister Stefan Sünwoldt über seine persönlichen und beruflichen Erfahrungen während der Corona-Zeit – ein Gespräch, das die Ereignisse aus juristischer, politischer und sehr persönlicher Perspektive beleuchtet und einen eindrucksvollen Einblick in die Gedankenwelt eines Juristen, der die Corona-Jahre als tiefe gesellschaftliche Zäsur erlebt hat, bietet.
Sünwoldt beschreibt, wie er die Entwicklungen Anfang 2020 zunächst mit Sorge, später jedoch mit zunehmender Irritation verfolgte. Besonders die rechtliche Grundlage der Lockdowns ließ ihn früh zweifeln, da tiefgreifende Grundrechtseingriffe über Monate hinweg ausschließlich per Verordnung, ohne ausreichende parlamentarische Legitimation, geregelt worden seien. Bereits im März 2020 wandte er sich deshalb mit einer eindringlichen Mail an Bundestagsfraktionen und Medien und warnte vor einem Angriff auf demokratische Strukturen. Auch spätere politische Entscheidungen, insbesondere die Impfkampagne sieht er sehr kritisch.
Das Gespräch zeigt jedoch nicht nur seine juristische Analyse, sondern auch die persönlichen Belastungen dieser Zeit. Sünwoldt berichtet von Sorge um seine Kinder, von Spannungen im Freundes- und Familienkreis und traumatisierenden Erlebnissen seiner Tochter im von Maßnahmen geprägten Schulalltag. Besonders einschneidend war für ihn seine Tätigkeit als Strafverteidiger für Menschen, die wegen Masken- oder Attestfragen juristisch verfolgt wurden. Eindrucksvoll schildert er in dem Zusammenhang die problematischen Vorgehensweisen von Behörden und Justiz.
Ein zentraler Punkt seines Engagements bleibt bis heute die Forderung nach Aufarbeitung. Seine offenen Briefe an die Bundespolitik zur Rehabilitierung von Ärzten und zur gesellschaftlichen Aufarbeitung der Corona-Zeit blieben unbeantwortet. Dennoch sieht er es als moralische Verpflichtung, die Folgen der Maßnahmen sichtbar und öffentlich zu machen. Bewegend endet das Gespräch mit der Schilderung des tragischen Todes eines 13-jährigen Mädchens. Dessen Schicksal steht für ihn sinnbildlich für die Notwendigkeit, individuelle Schicksale nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
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