Sunday Apr 19, 2026

Eugen Zentner

Johannes Clasen im Gespräch mit dem promovierten Literaturwissenschaftler, Drehbuchautor, Buchautor und Kulturjournalisten Eugen Zentner über seine Erfahrungen während der Corona-Jahre, sowie die Veränderungen, die diese Zeit für uns alle brachte. Ein intensives, vielschichtiges Gespräch über Medien, Wahrnehmung und die Kraft der Kunst in bewegten Zeiten – und über die Frage, wie eine Gesellschaft nach einer Phase der Spaltung auch durch Kunst wieder friedlich zueinanderfinden kann.

Zentner, der lange als Journalist für die dpa tätig gewesen war, nimmt die Zuhörer mit zurück in den Januar 2020. Eine Zeit, in der erste Bilder aus China um die Welt gingen und sich die mediale Tonlage zunehmend zuspitzte. Während viele seiner Kollegen nach und nach von Unsicherheit und Angst erfasst wurden, blieb er selbst gelassen.

Besonders eindrücklich schildert Zentner seine Zeit bei der dpa: Eilmeldungen im Minutentakt, ein permanenter Fokus auf Infektionszahlen und Todesfälle – und eine Dynamik, die nicht ohne Wirkung auf die journalistische Arbeit blieb. Während sich für viele Kollegen die Bedrohung zunehmend real anfühlte, nahm er selbst eine Diskrepanz wahr: zwischen dem, was medial vermittelt wurde, und dem, was er außerhalb der Bildschirme erlebte.

Im Homeoffice, isoliert vom Redaktionsalltag, begann für ihn eine Phase intensiver Beobachtung und Reflexion. Er nutzte soziale Medien, besuchte Demonstrationen und stellte fest, dass sich seine Eindrücke nicht mit der vorherrschenden Berichterstattung deckten. Als er diese Widersprüche im Kollegenkreis ansprach, wurde deutlich: Die Meinungen drifteten auseinander. Eine offene Debatte wurde zunehmend schwieriger – auch aus Sorge um berufliche Konsequenzen.

Heute hat Zentner einen klaren Bruch mit seiner früheren Tätigkeit vollzogen. Er arbeitet nicht mehr für die dpa, sondern schreibt als Kulturjournalist für alternative Medien und betreibt einen eigenen Blog. Sein Blick auf Journalismus ist kritischer geworden, politischer, unabhängiger. Gleichzeitig hat er sich intensiv mit der Frage beschäftigt, welche Rolle Kunst und Kultur in Krisenzeiten spielen.

Im Podcast spricht er über eine Kulturszene im Wandel: über Künstler, die sich anpassten – und über jene, die bewusst einen anderen Weg gingen. Über Cancel Culture, ökonomischen Druck und die Frage, ob nonkonforme Kunst heute überhaupt noch existieren kann. Seine Einschätzung ist differenziert: Die Spielräume sind enger geworden, doch es gebe auch Anzeichen für eine vorsichtige Öffnung.

Ein besonderer Fokus liegt auf seinem literarischen Schaffen. In seinem Buch „Corona-Schicksale“ verarbeitet Zentner die Corona-Zeit in fiktionalen Geschichten – als Versuch, Erfahrungen festzuhalten, die sonst womöglich in Vergessenheit geraten würden. Es sind Geschichten über gesellschaftliche Spannungen, über Konformitätsdruck und über zwischenmenschliche Brüche. Situationen, die viele erlebt haben: getrennte Familien, soziale Ausgrenzung, staatliche Eingriffe in den privaten Raum. In seinem Gedichtband „Die Welt steht Kopf“ verarbeitet er die Krisenjahre der letzten Zeit, gesellschaftliche Spannungen und existenzielle Fragen in lyrischer Sprache.

Auch bei Lesungen zeigt sich, wie tief diese Zeit nachwirkt. Für viele Zuhörer sind seine Texte mehr als Literatur – sie sind Spiegel, Verarbeitung und manchmal auch schmerzhafte Erinnerung. Ob seine Arbeit auch Menschen erreicht, die damals anders gehandelt oder gedacht haben, bleibt für ihn offen. Doch genau darin liegt seine leise Hoffnung: dass Kunst Brücken bauen kann.

Abgerundet wird das Gespräch durch Einblicke in seine Lyrik, vorgetragen von Zentner persönlich: Gedichte über die berufsbezogene Impfpflicht während der Corona-Zeit sowie über die Musterung eines jungen Mannes. Zwei Texte, die nicht nur dokumentieren, sondern auch zum Nachdenken anregen.


Eugen Zentner ist Autor folgender Bücher:

Sachbuch: Kunst und Kultur gegen den Strom

https://www.masselverlag.de/The-Great-WeSet/Kunst-und-Kultur-gegen-den-Strom

Das Sachbuch stellt die alternative Kunst- und Kulturszene vor, die sich in Reaktion auf die Corona-Politik herausgebildet hat.

Kurzgeschichten: Corona-Schicksale

https://www.masselverlag.de/Programm/Corona-Schicksale

Die fiktionalen Geschichten setzen sich mit den Schattenseiten der Corona-Politik auseinander und handeln von Menschen, die zu deren Opfern geworden sind.

Gedichte: Die Welt steht Kopf

https://www.masselverlag.de/Programm/Die-Welt-steht-Kopf

Der Gedichtband thematisiert die Krisenzeit der vergangenen Jahre in lyrischer Sprache.

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